Klimafinanzierung in Mexiko: GIZ und KfW ziehen an einem Strang

Der Klimawandel ist eines der größten Herausforderungen des 21. Jahrhunderts. Folglich ist es dringend notwendig, Maßnahmen zur Minderung von Treibhausgasemissionen und zur Anpassung an den Klimawandel zu implementierten. Klimafinanzierung spielt eine zentrale Rolle bei der erfolgreichen Umsetzung der NDCs und Ambitionssteigerungen der Klimaziele. Dabei spielen Entwicklungsbanken eine zentrale Rolle. Um diese Rolle hervorzuheben und um Entwicklungsbanken als strategische Akteure grüner Investitionen zu unterstreichen, hat die GIZ  gemeinsam mit der KfW und Nacional Financiera ein Event organisiert.

Begrüßungspanel. Von links nach rechts: Viktor Elbling (Botschafter der Bundesrepublik Deutschland in den Vereinigten Mexikanischen Staaten); Marc Engelhardt (Abteilungsleiter Entwicklungs- und Sektorpolitik, KfW); César Emiliano Hernández Ochoa (Unterstaatssektretär für Elektrizität, SENER); Jaques Rogozinski Schultman (Vorstandsvorsitzender, Nacional Financiera)
Begrüßungspanel. Von links nach rechts: Viktor Elbling (Botschafter der Bundesrepublik Deutschland in den Vereinigten Mexikanischen Staaten); Marc Engelhardt (Abteilungsleiter Entwicklungs- und Sektorpolitik, KfW); César Emiliano Hernández Ochoa (Unterstaatssektretär für Elektrizität, SENER); Jaques Rogozinski Schultman (Vorstandsvorsitzender, Nacional Financiera)

Das Pariser Klimaabkommen vom Dezember 2015 ist ein Meilenstein der internationalen Klimapoltik. Zum ersten Mal haben sich nahezu alle Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen dazu verpflichtet, eigene Beiträge zum Klimaschutz zu leisten, um die globale Erwärmung auf deutlich unter 2 °C, möglichst aber auf 1,5 °C über dem vorindustriellen Niveau zu begrenzen. In den nationalen Klimabeiträgen  (Nationally Determined Contributions, NDCs), formulieren die Vertragsstaaten ihre Emissionsminderungs- und Anpassungsziele bis zum Jahr 2030. Um die NDCs nun umzusetzen sowie weitere Ambitionssteigerungen im Klimaschutz und in ihrer Anpassung sicherzustellen, sind umfassende Investitionen und finanzielle Unterstützung aus öffentlichen sowie privaten Quellen notwendig.

Weltweit herrscht eine wachsende Tendenz der Ressourcenzuweisung für Klimafinanzierung: Während in 2004 US$ 46,6 Mrd. in Erneuerbare Energien investiert wurde, wurden in 2015 US$ 285,9 Mrd. verzeichnet (UNEP, Bloomberg New Energy Finance). Teilt man diese Zahlen zwischen Industrieländern und Entwicklungsländern (Brasilien, China und Indien ausgenommen) auf wird ersichtlich, dass die Wachstumsrate der Entwicklungsländer nicht auf dem selben Niveau wie die der Industrieländer liegt. Die Kosten für die Umsetzung der NDCs in Mexiko wird auf US$ 160 Mrd. oder US$ 10 Mrd. pro Jahr geschätzt.

Teilnehmer der Experten-Lernwerkstatt
Teilnehmer der Experten-Lernwerkstatt

Für die Umsetzung der nationalen NDC-Implementierungspläne stellen nationale Entwicklungs- und Förderbanken eine zentrale Rolle dar, denn Klimaprojekte sind oft mit risikoreichen, kapitalintensiven und langfristigen Investitionen verbunden. Entwicklungsbanken können als Finanzierungsinstitutionen mit einem öffentlichem Auftrag diese Risiken durch Finanzierung zu Vorzugskonditionen abfedern, langfristige Finanzierung anbieten und die nationalen Rahmenbedingungen für „grüne“ Investitionen verbessern. Zudem können sie durch Akkreditierungsprozesse einen direkten Zugang zu internationalen Klimafonds wie zum Beispiel dem Green Climate Fund (GCF) erhalten.

Marc Engelhardt (Abteilungsleiter Entwicklungs- und Sektorpolitik, KfW)
Marc Engelhardt (Abteilungsleiter Entwicklungs- und Sektorpolitik, KfW)

In Deutschland spielt die Entwicklungsbank KfW im Bereich Klimafinanzierung und Umweltschutz eine wichtige Rolle. Zum Beispiel finanziert die KfW jedes zweite neue Wohnhaus in Deutschland und setzt somit neue Baustandards. In Mexiko ist die KfW schon seit 2007 tätig und hat über sieben Windanlagen kofinanziert, über 21,000 Energiesparhäuser (“EcoCasa”) gebaut und hat mit einem FZ-Entwicklungskredit an die staatliche Entwicklungsbank Nacional Financiera S.N.C. (NAFIN) Energieeffizienzmaßnahmen in produzierenden und kommerziellen Gewerben im Rahmen des mexikanischen Energieeffizienzprogramms “Eco Crédito Empresarial” refinanziert. “EcoCasa” ist das Vorzeigebeispiel für nachhaltige Gebäude auf globaler Ebene und wurde sogar mit einer Auszeichnung der Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen (UNFCCC)  bedacht. Die KfW investiert auch in Green Bonds, die eine verstärkte Sensibilisierung fördern sowie den Markt für die Investoren vergrößern und könnte Mexiko dabei helfen ihre grünen Anleihen weiter zu etablieren.

Mit dem Ziel, nationale Entwicklungsbanken als strategische Akteure in der Förderung von klimarelevanten und grünen Investitionen zu stärken und um entsprechend Kapazitäten aufzubauen, haben die GIZ und die KfW Entwicklungsbank in Mexiko, im Schulterschluss mit der Nationalen Entwicklungsbank Mexikos NAFIN, eine zweitägige Lern- und Dialogveranstaltung unter Einbezug deutscher und internationaler Expertise veranstaltet. Am 25. April fand eine Experten-Lernwerkstatt statt, in der ca. 40 Vertreter aus acht mexikanischen Entwicklungsbanken in Arbeitsgruppen zentrale Elemente für grüne Finanzierungstrategien erarbeiteten. Tags darauf wurden Chancen und Herausforderungen der Entwicklungs- und Förderbanken als Anbieter von Finanzierungsdienstleistungen in klimarelevanten Investitionssektoren beleuchtet. Vertreter mexikanischer, deutscher sowie multilateraler Entwicklungsbanken diskutierten mit Vertretern aus den Umwelt-, Energie- und Finanzministerien sowie aus Privatwirtschaft und Zivilgesellschaft die verschiedenen Rollen, Verantwortlichkeiten und Geschäftspotenziale im Bereich der Klimafinanzierung zur Umsetzung nationaler Klimaziele, insbesondere in den Bereichen Wohnen, Städte, Erneuerbare Energien und soziale und ökologische Standards.

Panelteilnehmer über soziale und ökologische Safeguards
Panelteilnehmer über soziale und ökologische Safeguards

Mit Hilfe von sozialen und ökologischen Safeguards bietet sich die Möglichkeit, das Bewusstsein für Klima- und Umweltthemen zu verschärfen. Seit den 80er und 90er Jahren gab es mittels der IFC Performance Standards und der Äquator-Prinzipien Bemühungen, nachhaltige, soziale und ökologische Faktoren zu berücksichtigen. Seither haben viele Banken, insbesondere multilaterale Entwicklungsbanken, ein soziales und ökologischen Evaluierungssystem eingeführt. Soziale und ökologische Safeguards tragen zu einer systematischen Risikoermittlung, zum Risikomanagement sowie zum Erfolg eines Projekts bei. Auf diese Weise können sowohl Privatbanken als auch Entwicklungsbanken effizienter sein und gleichzeitig ihre Integrität schützen.

Insbesondere Erneuerbare Energien, die einen großen Beitrag zur Energieeffizienz und zur Minderung von THG-Emission leisten können, werden finanzielle Unterstützung gebrauchen. Mexiko birgt großes Potenzial in der Solarenergie (24GW), geothermischen Energie (40GW), Windenergie (50GW) und in der Wasserkraft (53GW), aber nutzt nur jeweils 0,2%, 2%, 6% und 24% dieser Erneuerbaren Energien. Derzeit ist ein fünftel der generierten Energie in Mexiko sauber, wobei der Großteil davon aus Wasserkraft und Nuklearenergie geschöpft wird. Die mangelnde Nutzung von Erneuerbaren Energien hängt stark mit dem Rückstand neuer Technologien zusammen. Die Finanzierung von Forschung und Entwicklung dieser Technologien ist ausschlaggebend, um von Erneuerbaren Energien verstärkt Gebrauch machen zu können.

In Bezug auf die Nutzung Erneuerbarer Energien ist es wichtig, auch das Bevölkerungswachstum zu berücksichtigen. Besonders Städte werden in den nächsten 20 Jahren einen Bevölkerungszuwachs von 30% erleben. Aus diesem Grund haben die Redner den Transportsektor mit dem größten Anteil an Treibhausgas Emissionen als zentrale Herausforderung für Mexiko definiert. Außerdem muss die Bevölkerung zu Energiesparmaßnahmen angeregt werden. Dem können zum Beispiel ökonomische Instrumente wie CO2-Steuern und Emissionshandelssysteme dienlich sein. Während des Seminars wurde es deutlich, dass auch die Gesellschaft die Verantwortung trägt, sich über Klimathemen zu informieren und eine Nachfrage nach nachhaltigen Produkten zu erzeugen.

Abschlusspanel. Von links nach rechts: Alexandra Ortiz Gómez (Abteilungsleiter Nachhaltiger Entwicklung, World Bank); Pedro Guerra Menéndez (Stellvertretender Generaldirektor für Finanzen, Nacional Financiera); José Antonio Moreno (Stellvertretender Abteilungsleiter von Klimafinananzierungsschemen, SEMARNAT); Marc Engelhardt (Abteilungsleiter Entwicklungs- und Sektorpolitik, KfW); Andreas Villar (Programmleiter der Deutsch-Mexikanischen Klimaallianz, GIZ)
Abschlusspanel. Von links nach rechts: Alexandra Ortiz Gómez (Abteilungsleiter Nachhaltiger Entwicklung, World Bank); Pedro Guerra Menéndez (Stellvertretender Generaldirektor für Finanzen, Nacional Financiera); José Antonio Moreno (Stellvertretender Abteilungsleiter von Klimafinananzierungsschemen, SEMARNAT); Marc Engelhardt (Abteilungsleiter Entwicklungs- und Sektorpolitik, KfW); Andreas Villar (Programmleiter der Deutsch-Mexikanischen Klimaallianz, GIZ)

Über alle Panel hinweg wurde es deutlich, dass die Klimafinanzierung eines der wichtigsten Herausforderungen im Kampf gegen den Klimawandel ist. Dabei waren sich alle Redner einig, dass Klimaschutzmaßnahmen den Einsatz der Bundesregierung, der Bundesstaaten und der Gemeinden sowie der Gesellschaft, und des öffentlichen und privaten Sektors benötigen.

Das Seminar fand am 26. April 2017 im Rahmen des Deutschlandjahrs statt und wurde von der der mexikanischen Entwicklungsbank Nacional Financiera http://www.nafin.com/portalnf/content/otros/english.html in Zusammenarbeit mit der Deutsch-Mexikanischen Klimaschutzallianz  der GIZ im Auftrag des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) und der KfW organisiert.

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